„Ein deutsches Mädchen“ des Landestheaters Tübingen am 15.04.2026 in der Beat Baracke
Theaterstück im Rahmen der Leonberger Theatertage 2026
„Knall, rums, peng!!!“ In einem hohen Bogen flogen die Sachen auf einem Tisch knallend
in den Saal vor das Publikum, das sichtlich zusammenzuckte ob der Dynamik, die diese
Szene hervorrief. Auch der Autor dieser Zeilen zuckte zusammen, obwohl er in seiner
langjährigen Karriere als Sozialarbeiter in der offenen Jugendarbeit ebenfalls bereits
einschlägige Erfahrungen mit der Naziszene und ihrer alltäglichen Gewalttätigkeit
machen musste. Hintergrund der Episode ist der Wutausbruch eines Neonazi-Vaters,
dessen halbwüchsiges Kind und Hauptperson des Abends zaghaft etwas mehr Freiheit
für sich und die eigene Zukunft einzufordern versucht. Der herrschsüchtige Vater jedoch
duldet keinen Widerspruch und bestraft das Kind für dieses Ansinnen in drakonischer
Art und Weise.
Sehr eindrücklich gelingt es der Schauspielerin Sophie Aouami, die herzlose Erziehung
des Vaters bloßzustellen und die menschenverachtende Gesinnung der organisierten
Neonaziszene erfahrbar zu machen. Grundlage für diese Inszenierung der Regisseurin
Nazli Saremi des Landestheaters Tübingen (LTT) ist die Autobiografie der Neonazi
Aussteigerin Heidi Benneckenstein, die darin ihre Erfahrungen als Kind in der
Neonaziszene und ihre Schwierigkeiten beim endgültigen Ausstieg beschreibt.
Schon für die eingangs geschilderte Theaterszene hatte sich der kurzfristige Abbau der
vorbereiteten Bühne gelohnt, konnte die mitreißend spielende Aouami so noch
eindrücklicher die Wut, die Angst und die Hilflosigkeit des Nazikindes- und Teenagers in
das Publikum hinein schreiend und gestikulierend erfahrbar machen.
Das Stück ist daher hervorragend zur Präventivarbeit mit Jugendlichen im Kampf gegen
rechte Gewalt und Ideologie geeignet. Katja Rohloff, Mitarbeiterin des Amtes für Kultur
und Sport der Stadt Leonberg und Organisatorin der Theatertage hatte sehr zielsicher
erkannt, dass das Jugendhaus als Ort für diese Aufführung ein guter Rahmen zu sein
schien, um Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren. Der gute Zuschauerzuspruch
dieser Aufführung scheint das auch zu bestätigen.
Nach der Premiere als Aufführungsort im letzten Jahr war dies nun schon die zweite
Inszenierung des LTT, die im Jugendhaus Beat Baracke im Rahmen der Leonberger
Theatertage stattfand und die tatkräftige Unterstützung der Ehrenamtlichen vor Ort
genoss. Ob beim Einrichten des Sounds und der Lichtanlage oder der kollektive
Wiederaufbau der Bühne, jederzeit standen sie bereit, dem Team des LTT beim Gelingen
der Aufführung hilfreich zur Seite zu stehen. Schließlich ruft nach zwei Tagen wieder mit
dem Kill Rockstars-Festival das nächste Großevent.
Die anschließende Nachbesprechung mit Regisseurin Saremi und Schauspielerin
Aouami zeigte übrigens auch die Betroffenheit des Publikums und die Brisanz des
Themas.
Dem Stück sei daher noch viel Erfolg gewünscht und auch als außerschulisches
Angebot zum Thema empfohlen. Als Auftrittsort wird sich das Jugendhaus jedenfalls
gern als nunmehr geeignet zu nennender Ort anbieten.
Jugendhaus Leonberg e.V.
Der Beitrag verfällt am Montag April 27th, 2026 .